Hörspiel des Jahres 2021

Die dreiköpfige Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (DADK) hat das Hörspiel des Monats Januar Nagelneu“ von Hendrik Quast und Maika Knoblich zum Hörspiel des Jahres 2021 gewählt. Die Preisverleihung findet am Freitag, den 25. Februar erstmals beim gastgebenden Sender, dem Österreichischen Rundfunk (ORF),  im Rahmen der Ö1 Hörspielgala statt und wird von 19.05 bis 22.00 Uhr live auf der Website des ORF und der der DADK zu hören sein.
Die 31-minütigen „Begegnungen im Nagelstudio zwischen Kunst und Service“ des Westdeutschen Rundfunks (Dramaturgie: Christina Hänsel) in der Regie der Autoren und mit der Komposition von Katharina Stephan sind in der ARD-Audiothek oder beim WDR nachzuhören.

In ihrer Zusammenarbeit leiten Hendrik Quast und Maika Knoblich Fragen aus Beobachtungen des Alltags ab und entwickeln daraus situations- und ortsspezifische Happenings und Aktionen. Aus der ihnen eigenen Expert*innen-Mimikry geht ein themenspezifisches Fachwissen hervor, das auf der Bühne sowohl im Tun als auch im Kommentieren erprobt wird. Beide begannen ihre Zusammenarbeit 2009 während des Studiums am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen.

In Ergänzung zu ihrer Monatsbegründung schreibt die Jury (die Kulturjournalistin Margarte Affenzeller, die Film- und Medienwissenschaftlerin Christine Ehardt sowie der Komponist und Musiker Florian Kmet):

Einweghandschuhe schnalzen, Feilen schaben, Cremes schmatzen, und fern im Hintergrund feiern Opernklänge im Radio diese Stunde der Verschönerung in einem Nagelstudio. Der Hörer, die Hörerin wird in „Nagelneu“ als Kunde bzw. Kundin einbezogen und damit sowohl zum Publikum dieser Hörperformance wie auch als Klient der sogenannten körpernahen Dienstleitung imaginiert. Bei manchen Fräs-, Kratz- oder Schleifgeräuschen meint man gar, die Behandlung auf den eigenen Fingernägeln zu spüren.
Das Zuhören wird zum immersiven Gesamterlebnis, die Hörerschaft selbst zu einem Teil dieses akustischen Tableau vivant, das sich – wie könnte es anders sein – ganz der Entspannung verschrieben hat und seine Pausen als Echoräume nützt. Es zieht einen förmlich hinein in dieses radiophone Kosmetikstudio mit seinen typischen Klängen und scheinbar belanglosen Gesprächen. Hier wird aber nicht nur an den Oberflächen von Nägeln gefeilt, sondern auch an stereotypen Geschlechterrollen und Klischeebildern gekratzt. Dank der subtilen Raumakustik und Soundkulisse gelingt das Eintauchen in einen Hörraum, der wahrlich Vergnügen bereitet und einen starken Eindruck hinterlässt. Das adressierende Konzept, die unaufgeregte Präzision und Leichtigkeit haben uns als Jury überzeugt.

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