Hörspiel des Jahres 2017: „Coldhaven“ von John Burnside

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste benennt zum Hörspiel des Jahres 2017:

Coldhaven

von John Burnside
aus dem Englischen von Klaus Buhlert und Bernhard Robben
Komposition und Regie: Klaus Buhlert
Produktion: Südwestrundfunk
Dramaturgie: Manfred Hess
Ursendung: 16.02.2017, SWR 2
Länge: 61:53

Die Begründung der Jury

John Burnside, der berühmteste lebende Dichter Schottlands, hat für sein Originalhörspiel das Dorf Coldhaven erfunden, in dem zwei Jugendliche sterben. Die schottische Märchen- und Sagenwelt ist in diesem Ort so lebendig, dass die Erklärung dieser Todesfälle nur über die Aussagen einiger Bewohner zu ermitteln ist, die Hexen, Zaubersprüche, Feen, Engel und die Seelen der Toten ins Spiel bringen, aber auch soziale Vorurteile. Die mögen manchmal bestätigt werden oder auch nicht; sie tragen nichts zur Gewissheit über Gut und Böse bei.

Die nicht-chronologische Rekonstruktion des Geschehens, über die ein dichtes und beziehungsreiches Geflecht aus Naturbeschreibung, knapper psychologischer Zeichnung der Charaktere und mythologischen Motive gelegt ist, hinterlässt bei aller Aufklärung einen beträchtlichen Rest unaufklärbaren Geschehens, der durch die inneren Monologe der beteiligten Personen an sozialer Relevanz gewinnt, aber an der Wahrheitsfindung vorbeiführt. Das Spiel mit repetitiv eingesetzten Samples macht die Natur zu einer beschränkten Ansammlung von Versatzstücken, denen nicht zu trauen ist, freilich auch nicht dem Übernatürlichen, das in den Köpfen überlebt und eine schauerliche Realität erzeugt. „Coldhaven“ wird von einer poetischen, berührenden Sprache getragen und ist mit der prägnanten Klanggestaltung Klaus Buhlerts auf konzise Weise als ungewöhnliches Hörerlebnis realisiert.

Die Jury bestand aus Eva-Maria Lenz, Heiko Daniels, und Bernd Leukert.
Hier die Jurybegründung bei der Wahl zum Hörspiel des Monats Februar 2017.
Die Preisverleihung findet am 24. Februar 2018 um 19.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt/Main statt.

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