Deutscher Hörbuchpreis 2021 Kategorie Hörspiel

Thomas Pynchon: Die Enden der ParabelDer deutsche Hörbuchpreis 2021 in der Kategorie Hörspiel geht an „Die Enden der Parabel“ von Thomas Pynchon in der Bearbeitung und Regie von Klaus Buhlert, der auch die Musik komponiert hat. Die 13-stündige Koproduktion von Südwestrundfunk (SWR) und Deutschlandfunk (DLF), die mehrere Jahre in Anspruch genommen hat, ist im Verlag Hörbuch Hamburg erschienen. Here my two cents:

„,Once the rockets are up, who cares where they come down? That’s not my department!ʻ says Wernher von Braun“. So machte sich 1965 der Mathematiker Tom Lehrer seinen Reim auf den Physiker Wernher von Braun, dessen V2-Raketen Hitler den Endsieg bringen sollten. Eine Überschallwaffe, die tötete bevor das menschliche Ohr sie hören konnte. In Thomas Pynchons Großroman „Gravity’s Rainbow“ funktioniert sie als „Bombenpost“ wie sie der Offizier und Dramatiker Heinrich von Kleist bereits 1810 konzipiert hatte.

Braucht es bei dieser Art der ballistische Informationsübertragung nur etwas mehr als 300 Meter pro Sekunde, um das Ohr zu überfordern, so sind es lediglich 24 Bilder pro Sekunde um dem Auge eine Bewegung vorzutäuschen. Den akustischen und optischen Zumutungen fügt Pynchon noch eine chemische hinzu, nämlich durch Drogen induzierte paranoide Realitätsverzerrungen.

Wie übersetzt man diesen mehrdimensionalen Wahnsinn in die Linearität eines Hörspiels, die ebenso uneinholbar und unabwendbar ist, wie der Parabelflug einer V2? Der Hörspielregisseur und -komponist Klaus Buhlert tritt mit seiner dreizehnstündigen Bearbeitung von Pynchons Romans „Die Enden der Parabel“ nicht in einen Überbietungswettbewerb mit seiner Vorlage und erliegt auch nicht der Versuchung die verschlungen Pfade des Plots illustrativ zu verdoppeln. Mit klug gesetzten Akzenten wie beispielsweise dem ikonischen Einsatz des ratternden Malteserkreuzes eines analogen Filmprojektors verweist er auf die Transmedialität, die schon den Roman ausgezeichnet hatte. Anstatt die vielfältigen popkulturellen Anspielungen im O-Ton zu zitieren – was nebenbei bemerkt eine CD-Auswertung wohl erheblich verkompliziert hätte – transformiert Buhlert die intertextuellen Verweise in seine eigene Klangsprache. Er lässt die Stimmen seines hochkarätig besetzten Ensembles durch das Stereobild taumeln wie die Romanfiguren durch „Die Zone“ des gerade besiegten Nazideutschland.

In Pynchons Roman schlägt die V2 medial vermittelt letztendlich in einem Kino in Los Angeles ein. Dass sie ihren Parabelflug auch in den Studios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beenden konnte, ist der Hartnäckigkeit des Dramaturgen Manfred Hess vom Hörspiel-Department des Südwestrundfunks zu verdanken, ohne den es dieses Stück nicht gäbe.

 

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