„Hate Radio“ mit dem 63. Hörspielpreis der Kriegsblinden ausgezeichnet

Hate Radio

Autor: Milo Rau
Realisation: Milena Kipfmüller
Produktion: WDR/ORF
Ursendung: WDR 5, 16. April 2013
Mit: Bianca Hauda, Max von Malotki, Ill-Young Kim, Ute Wassermann, Edda Fischer, Hüseyin Michael Cirpici, Benny Hogenacker

 

WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber, Filmstiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller, Preisträgerin Milena Kipfmüller, Hans-Dieter Hain (Bund der Kriegsblinden) und Jury-Vorsitzende Anna Dünnebier © Roberto Pfeil / Film- und Medienstiftung NRW

WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber, Filmstiftungs-Geschäftsführerin Petra Müller, Preisträgerin Milena Kipfmüller, Hans-Dieter Hain (Bund der Kriegsblinden) und Jury-Vorsitzende Anna Dünnebier © Roberto Pfeil / Film- und Medienstiftung NRW

Die Begründung der Jury

Der Ton ist vertraut, der Inhalt grauenhaft. Es ist die Anmutung eines der üblichen Radio-Magazine der Unterhaltungswellen, mit seinem leichten Plauderton, Geplänkel und Witzchen der Moderatoren, viel Pop-Musik, ein bisschen Information, und ins Studio geschaltete Höreranrufe. Und wovon ist die Rede, wovon handeln die Witze, das Geplauder, die Anrufe? Das ist der nackte Horror. Es sind Aufrufe zum Hass, zum Jagen, zum Morden.

Milo Rau stellt aufgrund von dokumentarischem Material nach, was vor 20 Jahren in Ruanda von einer populären Radiostation gesendet wurde, im Jahr des Völkermordes an den Tutsi. Das Hörspiel ist das Ergebnis langer und sorgfältiger Recherche. Rau sprach mit überlebenden Opfern, mit damaligen Hörern, auch mit Moderatoren aus dieser Zeit, und verdichtete die unzähligen Berichte und Erinnerungen zunächst zu einem Theaterstück, das in der Schweiz und in Ruanda uraufgeführt wurde, und nun zu diesem Hörspiel.

Die Jury war beeindruckt, wie hier Radio sich selbst reflektiert. Drastisch wird vorgeführt, mit welchen Mechanismen Radio manipulieren kann: wie der coole sprachliche Duktus eine positive Stimmung des Einverständnisses erzeugt, wie die mords-gute Laune und die peppige Musik einen Sog erzeugen, dabei sein zu wollen. Da meldet sich ein Dreizehnjähriger, um außer seinen Musikwünschen durchzugeben, wohin er gerade eine Gruppe Tutsi hat fliehen sehen, da werden Witze über gedemütigte Opfer gemacht, da werden im Ton von Fußballergebnissen die neuen Todeszahlen durchgegeben und wie Verkehrsnachrichten nicht die Lage von Staus, sondern die Lage von Häusern und Verstecken von Tutsi gemeldet, die man massakrieren soll.

Ja der Ton ist uns vertraut. Er rückt uns die fernen Ereignisse sehr nahe. Und hinterlässt die Frage, wie schnell ein solcher Zivilisationsbruch auch anderswo, auch hier möglich wäre.

 

Die Jury des 63. Hörspielpreises der Kriegsblinden bestand aus sieben Mitgliedern des BKD sowie aus sieben von der Film- und Medienstiftung NRW benannten Fachkritikern. Den Vorsitz führte die Publizistin Anna Dünnebier. Die BKD-Mitglieder der Jury waren Klaus Bartels, Paul Baumgartner, Johann Dressing, Hans-Dieter Hain, Erich Kuttner, Dietrich Plückhahn und Klaus-Jürgen Schwede. Ergänzt wurde die Jury durch die Fachkritiker Dieter Anschlag (Funkkorrespondenz), Thomas Irmer (Freier Journalist u.a. Theater heute), Petra Kammann (INrheinkultur), Elmar Krekeler (Die Welt), Eva-Maria Lenz (Freie Journalistin, FAZ, epd medien), Diemut Roether (epd medien) und Hans-Ulrich Wagner (Universität Hamburg).

 

Jurorin Eva-Maria Lenz in der FAZ vom 18.06.2014 zum Preis.

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