Kleine Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen

Schallgestalten in bilderlosen Räumen oder:
Wie Friedrich Knilli den Deutschen das Hörspiel aus dem Kopf schlug
Eine kleine Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen

Deutschlandfunk Kultur, 4. Juli 2021, 18.30 Uhr

Autor & Regie: Jochen Meißner
Mit: Uta Hallant, Wolfgang Condrus, Britta Steffenhagen, Thomas Fränzel, Ulrich Lipka
Im O-Ton: Friedrich Knilli, Werner Klippert, Walter Filz, Beate Andres
Länge: 87:57
Produktion: D-Kultur 2011
Redaktion: Ulrike Brinkmann

Friedrich Knilli: Das Hörspiel Mittel und Möglichkeiten eines totale SchallspielsEine Unzahl von „Reportern, Berichterstattern, Conferenciers, Blindenführern, Chronisten“, kurz eine Unzahl von Erzählern dominierte das Hörspiel von Anbeginn bis in die sechziger Jahre – und täte es wohl noch wenn nicht der Hörspieltheoretiker Friedrich Knilli anno 1961 in seinem Standardwerk „Das Hörspiel“ die „Mittel und Möglichkeiten eines totalen Schallspiels“ beschrieben hätte. Statt die metaphysische Anregung der Hörerseele durch den Äther im traditionellen „Worthörspiel“ zu feiern – wie vor ihm der Hörspielpapst Heinz Schwitzke getan hatte – plädierte der Medienwissenschaftler für eine Synthese aller Schallkünste im sogenannten Totalhörspiel, „das den Illusionismus des herkömmlichen Hörspiels überwindet und die Bühne aus der Phantasie des Hörers in das Zimmers des Zuhörers verlegt“. Nicht mehr „die innere Bühne“ war Ort des Hörspiels, sondern seine Schallgestalten materialisierten sich im stereophon bespielten Raum. Vor 50 Jahren vertrieb Friedrich Knilli die Hörer aus ihrem Kino-im-Kopf und versetzte sie unter einen Himmel voller Frequenzen.

Mit Ausschnitten und Schnipseln aus Hörspielen von: Ulrich Bassenge, Berner & Schültge, Bertolt Brecht, Günter Eich, Ludwig Harig, Schorsch Kamerun, Friedrich Knilli, Jacob Kirkegaard, Ligna, Alvin Lucier, Francis Ponge, Rimini Protokoll, Erika Runge, Eran Schaerf, Christoph Schlingensief, Stefan Weigl, Orson Welles, Wolf Wondratschek, Paul Wühr, sowie wittmann/ zeitblom.

1. Missverständnis: Das Radio braucht kein Mensch.
2. Missverständnis: Das Radio ist eine mechanische Apparatur.
3. Missverständnis: Das Radio ist etwas für Blinde und Hörspiel ist Kino im Kopf.
4. Missverständnis: Bilder sind schlecht, Töne sind gut oder Hören ist seliger denn Sehen.
5. Missverständnis: Was man hört ist echt oder Das Hörspiel ist immer authentisch.
6. Missverständnis: Die Stereophonie ist die äußere Bühne.
7. Missverständnis: Das Hörspiel ist eine literarische Gattung.
8. Missverständnis: Ohne Mensch kein Hörspiel.
9. Missverständnis: Das Hörspiel ist zu teuer.
9 Missverstandnis
10. Missverständnis: Die Zeit des Radios ist vorbei.

Hier eine Rezension des Stückes von Christian Hörburger in der Funkkorrepondenz Heft 33/2011.

Ursendung: 7. August 2011, Sonntag, 18.30 Uhr Deutschlandradio Kultur
Übernahme: Mittwoch, 4. Februar 2015, 21 Uhr, hr2 kultur,
Wiederholung: Sonntag, 4. Juli 2021, 18.30 Uhr, DLF Kultur

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