Günter-Eich-Preis 2019 für Ammer & Einheit

Der Günter-Eich-Preis 2019 geht an das Hörspielmacher-Duo Andreas Ammer und FM Einheit. Die Entscheidung unter den elf Nominerten fiel einstimmig auf der Jurysitzung am 15. Januar 2019. Der seit 2007 alle zwei Jahre ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Hörspiel-Preis wird von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig vergeben. Die bisherigen Preisträger waren Alfred Behrens, Eberhard Petschinka, Hubert Wiedfeld, Jürgen Becker, Ror Wolf und Friederike Mayröcker. Die Preisverleihung findet am 25. Juni auf dem Mediencampus Villa Ida in Leipzig statt.

FM Einheit. Bild: FM Einheit.

FM Einheit. Bild: FM Einheit.

Andreas Ammer. Bild: BR/Martina Bogdahn.

Andreas Ammer. Bild: BR/Martina Bogdahn.

​Die Begründung der Jury:

„Das Hörspiel ist ein akustisches Kunstwerk. Ein Spiel zum Hören, mit dem Hören, mit dem Abhören, zum Abhören. Eine Komposition von akustischem Material. Niemand hat in den vergangenen gut drei Jahrzehnten sich derart verdient gemacht, unseren Begriff vom Hörspiel zu erweitern, es endgültig aus dem Korsett des Literaturzwangs heraus zu lösen, wie der Literaturwissenschaftler, Dokumentarfilmer und leidenschaftliche Abhörer Andreas Ammer und der Komponist und Perkussionist FM Einheit von den Einstürzenden Neubauten. Es heraustanzen zu lassen aus dem trotz der Bemühungen des Neuen Hörspiels in den sechziger, siebziger Jahren immer noch engen Hörspielgattungsgeheges.

Sie nehmen überliefertes akustisches Material – in „Sie sprechen mit der Stasi“ zum Beispiel Verhöre aus den 27.300 teilweise noch völlig unaufgearbeiteten Stasi-Tondokumenten oder in „Crashing Aeroplanes“ Mitschnitte aus den Cockpits abstürzender Flugzeuge –, und dann machen sich Ammer und Einheit ans Werk. Schreiben Musik, schneiden das Material. Wer zuerst fertig ist, hat Andreas Ammer gesagt, bestimmt, wenn das eigentliche Hörspielen beginnt. Bei dem geht es darum, „den Text ernst zu nehmen und ihm etwas entgegenzusetzen, das vom Anspruch her mindestens genauso groß ist.“ Ihn zu rhythmisieren, zu dramatisieren, in Loops zu bringen. Nicht aus akustischem Selbstzweck, nicht als Hörspielerei. Ammer/ FM Einheit öffnen die Ohren für Sprechweisen, Sprachzusammenhänge, hören gespenstische Räume gerade der deutschen Vergangenheit neu ab, tauchen in deutsche Mythen von den Nibelungen bis Ulrike Meinhof. Klären auf, in dem sie die akustische und literarische Hinterlassenschaft deutscher Dämonen in neue Bewegung bringen, sich reiben lassen aneinander und an den perkussiven, industriellen Partituren des FM Einheit.

Aus der Balance von Text und Musik, von musikalisch in Form gebrachtem Sprachmaterial und sprechenden Klängen entstehen große Hörspielopern. Akustische Kunstwerke, die das Hörspiel nicht nur aus dem künstlerischen Gehege geholt, sondern auch aus den Gehegen seiner Rezeption, aus den Wohnzimmern. Ammer/FM Einheits Hörspiele füllen als Live-Performances Theatersäle, Konzertarenen, haben das Hörspiel für neue Hörer-Generationen zugänglich gemacht. Andreas Ammer und FM Einheit haben das Hörspiel befreit.“

Mitglieder der diesjährigen Jury waren: die Autorin Linde Rotta, die Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin und Radioautorin Dr. Gaby Hartel, der Redakteur für Musik, Literatur, Film und Fernsehen der Tageszeitung Die Welt Elmar Krekeler, der ehemalige Kultur- und Literaturredakteur beim Schweizer Radio (SRF) Heinrich Vogler unter dem Vorsitz des Autors und ehemaligen Hörspielleiter des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Wolfgang Schiffer.

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