Hörspiel des Monats März 2019

Hafen

von Mishka Lavigne

Mishka Lavigne: "Hafen" Probenfoto der Livefassung mit Tanja Schleiff, Nico Holonics, Bo Wiget. Bild: SST/SR.

Mishka Lavigne: „Hafen“- Probenfoto der Livefassung. Bild: SST/SR.

Regie: Anouschka Trocker
Musik: Bo Wiget
Übersetzung: Frank Weigand
Redaktion: Anette Kührmeyer
Produktion: SR/DLF Kultur 2018
Ursendung: SR 2 Kulturradio,
10.03.2019,  17.04 Uhr
Länge: 85:59

Die Begründung der Jury

Das Hörspiel „Hafen“ von Mishka Lavigne (SR/Deutschlandfunk Kultur, Regie: Anouschka Trocker), ins Deutsche übersetzt aus dem kanadischen Französisch von Frank Weigand, schildert in ironisch-lakonischer Sprache einen dramatischen Bewältigungs- und Selbstfindungsprozess zweier Protagonisten: Elsies Versuch, den tödlichen Autounfall ihrer berühmten (Schriftsteller-) Mutter zu bewältigen, und Matts Streben danach, sich seiner Herkunft aus Bosnien zu vergewissern. Die perfekt ineinander verschränkten Parallelgeschichten (vor allem das scheinbar zufällige Aufeinandertreffen von Matt und Elsie) mit Sarajevo als Referenzpunkt bzw. Motiv erzählen von unbewältigten Verlusterfahrungen und der tastenden Suche nach einer Zukunftsperspektive.

Metaphorisch geschickt inszeniert die Autorin diesen Prozess über das surreale Mittel eines Kraters, der sich unvermittelt in Elsies Straße aufgetan hat. Das intelligent konstruierte Hörspiel überzeugt durch eine Sprache, die bei aller Dramatik stets unprätentiös-realitätsnah bleibt und deren Inszenierung oft mit Gegenschnittvarianten arbeitet: figurales Ich, Dialoge, Off-Kommentare, Spiel mit Hintergrundgeräuschen zur Verdopplung, harte Gegenschnitte zur Verstärkung von Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Die musikalischen Interpunktionen von Bo Wiget beeindrucken einerseits durch ihre idiomatische Selbstständigkeit und unterstützen anderseits die Erzählhandlung in markanter Weise. Die herausragende schauspielerische Qualität der beiden Sprecher hebt zudem dieses Hörspiel auf ein außerordentlich hohes Niveau.

Eine lobende Erwähnung spricht die Jury aus für das beeindruckend gestaltete Hörspiel „Bilder deiner großen Liebe“ (Produktion: Bayerischer Rundfunk / Realisation: Sebastian Stern) nach dem gleichnamigen, posthum veröffentlichten Roman Wolfgang Herrndorfs. Die dichte Atmosphäre vermittelt den Roadmovie-Eindruck eindringlich und authentisch, besonders durch die herausragende schauspielerische Leistung von Enea Boschen.

Das Hörspiel wird am Samstag, den 1. Juni 2019 um 20.05 Uhr im Deutschlandfunk (DLF) wiederholt.

Die Nominierungen

BR, Wolfgang Herrndorf: Bilder deiner großen Liebe
DLF, keine Nominierung
DLF Kultur, Luise Voigt: Heterotopia
HR, Sebastian Lehmann: Parallel leben
MDR, keine Nominierung
NDR, Swoosh Lieu: Who Moves?! – eine mehrspurige Montage der Beweggründe
RB, keine Nominierung
RBB, Andres Veiel: Let them eat money
SR, Mishka Lavigne: Hafen
SWR, Serotonin: Die Verschiebung
WDR, Florian Führer und Roland Schnell: Im Dienst
ORF, Felix Kalaivanan, Yannick Reuter, Andreas Schiessler, Sophia Sixta: Fake News Blues (Folge 1)
SRF, Fatma Aydemir: Ellbogen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.