Hörspiel des Monats August 2016

Claudia Eisinger spielt die Rolle der Lila im Hörspiel "Lila und Fred", DKultur 2016 (Deutschlandradio / Jonas Maron)

Claudia Eisinger als Lila. Bild: D-Kultur / Jonas Maron.

Lila und Fred

frei nach Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“
Von Cristin König
Regie: Cristin König
Komposition: Friederike Bernhardt
Produktion: Deutschlandradio Kultur
Länge: 61:26
Ursendung: D-Kultur, 14.08.2016

 

Die Begründung der Jury

Erstaunlich, wie gut dieses Experiment funktioniert: Cristin König hat Friedrich Schillers Jugenddrama „Kabale und Liebe“ auf den Prüfstand des 21. Jahrhunderts gestellt – und siehe da, der Klassiker hält phantastisch stand. Wie leicht doch 230 Jahre zu überbrücken sind: Aus dem adeligen Präsidenten von Walter ist ein Großindustrieller geworden, der vor der Pleite steht, aus Lady Milford die 40jährige Milla, die ihr beträchtliches Vermögen in eine Stiftung überführen will, aus dem Intriganten Wurm der nicht minder einfallsreiche Kranz – und das jugendliche Liebespaar Ferdinand und Luise heißt jetzt Lila und Fred. Schillers Rhetorik hat die Autorin in ein eigenwillig atemloses Stammeln übersetzt. Diese Kunstsprache entspricht exakt den Zumutungen eines moralisch korrupten Geldadels, die einem die natürliche Sprache verschlagen können. Mit der Zuspitzung der Ereignisse wandelt sie sich zum puren Angstdiskurs: Ihr steht akustisch sozusagen der Schweiß auf der Stirn. Mit sparsamen, aber extrem wirkungsvollen klanglichen Mitteln wird die Dramatik der Handlung geschärft. Kurze Phrasen, manchmal beiläufig gespielt im Hintergrund, manchmal als Interpunktion explodierend eingesetzt. Eine großartige Leistung von Friederike Bernhardt und der Regie.

Das Hörspiel wird am 5. November 2016 im Deutschlandfunk (DLF) wiederholt.

Die Nominierungen

BR, Andreas Thom: Baal
D-Kultur: Cirstin König: Lila und Fred
HR, Dietmar Dath: Vom Erlöser lernen
MDR, Holger Böhme: Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen
NDR, Patricia Görg: Es bleibt spannend – Ein Wahlabendoratorium
RB, keine Nominierung
RBB, Viktor Klemperer: LTI Notizbuch eines Philologen
SR, Gerold Ducke: Weiße Hirsche
SWR, Katja Röder: Tod im Sechzehner
WDR, Joseph Conrad: Der Geheimagent

 

 

 

 

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