Hörspiel des Monats Januar 2016

Ich dachte in Europa stirbt man nie

Idee und Konzept: Sarah Schreier
Regie: Alfred Behrens
Produktion: RBB
Ursendung: RBB Kulturradio, 08.01.2016
Länge: 52‘33“

Die Begründung der Jury

Gerade angesichts der zunehmend verbreiteten pauschalisierenden Urteile über Flüchtlinge ist dieser Zusammenschnitt von sechs sehr individuellen, sehr unterschiedlichen Stimmen wohltuend und notwendig differenziert. Die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Serbien, Angola und Nigeria berichten neutral, ohne Pathos und Emphase, was ihnen widerfahren ist, warum sie ihr Land verlassen mussten, mit welchen Verlusten und Traumata sie zu kämpfen haben. Gerade dieser nüchterne, auf das eigene Erleben fokussierte und beschränkte Erzählton erzeugt beim Zuhörer eine starke Intimität und Intensität. Die sparsam und behutsam – ohne jede Effekthascherei – eingesetzten klanglichen und musikalischen Mittel unterstreichen diesen Eindruck: Es geht nicht um das Erzeugen von Betroffenheit, es geht um einzelne Schicksale, die jeden jederzeit ereilen können; insofern weist dieses Hörspiel über die aktuelle politische Situation exemplarisch hinaus. Die Abfolge der immer wieder zwischen den Akteuren wechselnden Erlebnisfragmente und die Mischung der monologischen Szenen ist gelungen und spannend gesetzt. Besonders diese dramaturgische Leistung zeichnet „Ich dachte in Europa stirbt man nie“ aus.

Das Hörspiel wird am Samstag, den 2. April 2016 um 20.05 Uhr im Deutschlandfunk (DLF) wiederholt.

MK-Kritik von Rafik will hier.

Nominierungen

BR, Wassily Kandinsky: Klänge (2-teiliges Hörspiel)
Deutschlandradio, Michel Decar: Jenny Janowitz oder Der Engel des Todes
HR, Robert Schoen: Ein verrauchtes Idyll
MDR, keine Nominierung
NDR, Tom Leveen: Party
RB, keine Nominierung
RBB, Sarah Schreier: Ich dachte in Europa stirbt man nie
SR, keine Nominierung
SWR, Paul Levi: Mit dem Siegel der Justiz – Der Jorns-Prozess
WDR, Joseph Conrad / Orson Welles: Herz der Finsternis (5-teiliges Hörspiel)

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