Ein Prince fürs Leben
Elisabeth Weilenmann widmet sich in ihren „FunkyPurpleAssoziationen“ ihrem Idol und verwebt dabei persönliche Erinnerungen mit der Musik von Prince – ein autofiktionales Hörspiel über Pop, Prägung und das Weiterleben eines künstlerischen Erbes.
Elisabeth Weilenman: P R I N C E – FunkyPurpleAssoziationen
ORF Ö1, Sa, 25.04.2026, 14.05 bis 15.00 Uhr
„Es gibt viele Könige“, sagte die Sängerin Alicia Keys anlässlich der Aufnahme von Prince in die Rock & Roll Hall of Fame 2004 und zählte ein paar auf: König Heinrich VIII, König Salomon, König Tutanchamun, King Kong, und sie fährt fort: „Aber es gibt nur einen Prinzen.“ Die Hörspielmacherin und -regisseurin Elisabeth Weilenmann hat zum zehnten Todestag von Prince Roger Nelson am 21. April ihrem Idol kleinteilig montierte „FunkyPurpleAssoziationen“ gewidmet. Der Obertitel ihres 55-minütigen autofiktionalen Hörspiels lautet einfach „P R I N C E“ – gesperrt und in Majuskeln gesetzt -, mehr Fantum geht typografisch gar nicht.
Es ist 1982, in der Sowjetunion ist Parteichef Leonid Breschnew gestorben, in Polen herrscht Kriegsrecht, in Österreich endet die Ära Kreisky und der Schlager „Ein bisschen Frieden“ von Nicole gewinnt den „Grand Prix Eurovision de la Chanson“. Prince ist 24 Jahre alt und bringt sein fünftes Studioalbum „1999“ heraus, mit dem er seinen Durchbruch erleben wird. Währenddessen liegt die kleine Elisabeth in einer Holzkrippe in einer niederösterreichischen Bauernstube und lauscht Mozarts Kleiner Nachtmusik aus ihrer Spieluhr.
Es geht also um die typische musikalische Sozialisation, eine Art éducation sentimentale, die mit der Romantic Comedy „Pretty Woman“ begann, in der Julia Roberts in der Badewanne den Hit „Kiss“ singt. Es folgt der Film „Purple Rain“, der im verdunkelten Wohnzimmer von der Leih-VHS angesehen wird. Erzählt wird das alles von der Schauspielerin Alina Fritsch aus der Ich-Perspektive der Autorin, die gegen Ende des Stücks auch noch selbst im O-Ton vorkommt.
Countdown der Lieblingssongs
Während Elisabeth Weilenmann den musikalischen Werdegang von Prince nacherzählt, ist das Stück außerdem als Countdown ihrer Lieblingssongs von zehn bis eins strukturiert, die von „Temptation“ bis „Sometimes It Snows in April“ das gesamte musikalische Spektrum von Prince umfassen – von den perkussiven Funkkompositionen bis hin zu den Solo-Nummern der Tour „Piano & a Microphone“.
Prince, der bei seinen Konzerten „in High Heels und bemerkenswerter Kleidung achtmal hintereinander in den Spagat springt“, stirbt nach einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl am 21. April 2016. Zwei Wochen später wird Weilenmanns Sohn Oskar geboren, der im Hörspiel auch ein paar Zeilen Prince singen darf. So schließt sich ein pränatales Band, das sich in einer violetten Ellipse um das Leben der Mutter schlingt.
Als „Soundtrack meines Lebens“ bezeichnet die Autorin denn auch das einzige Prince-Konzert, das sie 2014 in Wien besucht hat. Aber anders als im samstäglichen Personality-Format „Klassik-Pop-et cetera“ im Deutschlandfunk sind Weilenmanns „FunkyPurpleAssoziationen“ auf einen Musiker konzentriert, erzählen aber trotzdem einiges über die Person, die die Liste der Songs zusammengestellt hat.
The artist formerly known as Prince
„P R I N C E“ ist nicht das erste Hörspiel der Geschichte, das sich mit Musikern beschäftigt. Allein zum Nirvana-Sänger Kurt Cobain gibt es zwei Stücke. Im eher spekulativen Stück „Cobains Asche“ von Agnieszka Lessmann spielt Sophie Rois als Courtney Love die Hauptrolle (SWF 2006), und in Edgar Lipkis einfach „Cobain“ betiteltem Stück (WDR 2003) geht es um eine diskursive Einordnung des Grunge-Sängers.
In Elisabeth Weilenmanns Hörspiel geht es um Überlieferung. Um das Wirken und die Wirkung eines Künstlers, der schon vor einem da war, vor einem verschwunden ist und dessen Werk dennoch in einer künftigen Generation weiterlebt. Der sich in der analogen Zeit mit seiner Plattenfirma Warner Bros. Verkrachte und sich in eine digitale Sphäre retten konnte, in der er als namenloses Symbol überwinterte – die Presse nannte ihn TAFKAP (“The artist formerly known as Prince“) -, bis sein Vertrag auslief und er wieder zu Prince wurde.
Am Ende zeigt das Hörspiel, wie die Musik von Prince ein individuelles Leben geprägt hat und zugleich als künstlerisches Erbe über Generationen hinweg weiterwirkt. Funky Rhythmen müssen dabei tragischen Ereignissen nicht im Weg stehen, sondern können sie auch transzendieren.
Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 22.04.2026
Entdecke mehr von Hoerspielkritik.de
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Kommentar verfassen